
Letzens fragte mich der Inhaber eines mittelständischen Unternehmens bei einer privaten Veranstaltung: „Sag mal, wie motiviere ich eigentlich meine Leute, die es bei mir wirklich gut haben und trotzdem eher ‚Job nach Vorschrift‘ machen? Die können doch froh sein, so angenehme Rahmenbedingungen bei mir zu haben: marktübliches Gehalt, viele Freiheiten im Job, nettes Bürogebäude mit schöner Inneneinrichtung sowie Obstschalen, Kaffee und Wasser für umsonst … Ich würde mich als Mitarbeiter freuen, unter solchen Rahmenbedingungen arbeiten zu können, hätte Gas gegeben und nicht erst einmal nur gefordert und alles für selbstverständlich gehalten.“
Nun war das bei ein paar Bieren und leckerem Essen schwer aufzulösen (und so wirklich wollte das auch keiner an diesem Abend). Aber Anlass genug, um auf folgende drei Fallen hinzuweisen, in die Führungskräfte auf allen Hierarchieebenen bei der Strategieumsetzung und Mitarbeiterführung unabsichtlich immer wieder hineintappen:
> Hadern Sie nicht mit dem Mitarbeiter. Wenn es sein muss, zeigen Sie aber Grenzen auf.
Nach der Motivation-Hygiene-Theorie von Frederick Herzberg) gibt es beim Thema Mitarbeiter-Motivation zwei Faktoren, die man als Vorgesetzter unterscheiden sollte. Einerseits die „Motivatoren“, die auf den Inhalt der Arbeit bezogen sind wie Arbeitsleistung und Erfolg, Anerkennung, Arbeitsinhalte, Verantwortung, Aufstieg und Beförderung sowie persönliches Wachstum. Andererseits die „Hygienefaktoren“, die die Rahmenbedingungen der Arbeit berücksichtigen wie Entlohnung und Gehalt, Personalpolitik, Führungsstil, Arbeitsbedingungen einschließlich Autonomie und Unterstützung, zwischenmenschliche Beziehungen zu Mitarbeitern und Vorgesetzten, Sicherheit der Arbeitsstelle sowie Einfluss auf das Privatleben.
Dabei ist das Interessante bei dieser Theorie und für den oben genannten Inhaber, dass die Erfüllung der Hygienefaktoren beim Mitarbeiter nur dazu führen, dass er NICHT UNzufrieden ist. Aber eben nicht zufrieden oder gar motiviert! Bei tollen Rahmenbedingungen kann es also sein, dass der Mitarbeiter denkt „Das ist ja wohl das Mindeste. Wir sind hier jetzt bei +-0, mehr aber auch nicht“.
Da hilft es auch nicht, wenn man selber denkt „Ich hätte mich damals gefreut“ oder „Die wissen gar nicht, wie es in anderen Unternehmen aussieht“. Denn es geht um den Anderen und nicht um Sie. Und um diese Firma, keine andere.
Was also tun?
> Schaffen Sie motivierende Rahmenbedingungen.
Häufig bekomme ich mit, dass sich Vorgesetzte „unternehmerisches Denken und Handeln“ von ihren Mitarbeitern wünschen. Die Denke kann ich schon nachvollziehen. Für mich passt aber „unternehmerisch“ nicht. Denn der Mitarbeiter ist eben NICHT Unternehmer, sondern Mitarbeiter. Wäre es sein Unternehmen, würde er sicherlich an manchen Stellen mehr Gas geben. So aber ist ihm nichts vorzuwerfen, wenn er „Dienst nach Vorschrift“ macht. Denn das ist der Deal. Definiertes Geld gegen definierte Leistung.
Was also tun?
> Es geht nicht um richtig oder falsch - es ist nur anders.
Ich hatte beim Hockey als 16jähriger folgende Rolle, als ich an die Mannschaft der 1. Herren herangeführt wurde: Vollgas geben im Training, Klappe halten, dankbar sein, Isostar-Eimer bei Punktspielen füllen, herumtragen und den Spielern daraus Getränke reichen. Das war OK für mich. So war es eben. Ich hatte meinen Platz. Heutzutage kommen die Youngsters mit großem Selbstbewusstsein auf den Platz und sagen „Sollen die mir doch erst mal zeigen, dass es sich für mich lohnt, so viel Zeit und Energie zu investieren.“ Und so kann es auch im Job sein. Gehaltserhöhung und Beförderung reichen bei der viel bemühten Generation X, Y oder Z nicht mehr als Motivatoren bzw. ziehen von Anfang an nicht. Es kann auf andere Dinge ankommen wie Weiterbildung, wenig oder keine Überstunden, Homeoffice oder die Chance auf ein Sabbatical.
Was also tun?
Zum Schluss ein Kalenderspruch: „Wenn die Führungskraft nicht führt, arbeitet der Mitarbeiter auch nicht mit.“ Und was unter Führung und Mitarbeit damals und heute verstanden wird, muss man manchmal im gemeinsamen Gespräch erst einmal klären.
Viel Erfolg und beste Grüße, Volker Rau
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Ein unverbindliches Gespräch kann der erste Schritt zu klaren Entscheidungen und wirksamer Veränderung sein.
